Zeitgemässe Präsentation in historischen Räumen



Die Zahlen und Fakten rund um das Kulturhaus Obere Stube in Stein am Rhein
22
Vitrinen
1469
Jahre alter Zunftsaal
1681
Jahre alter Zunftstube

Interview mit Helga Sandl & Carmen Gasser Derungs
GLAESER
Mit dem Kulturhaus Obere Stube in Stein am Rhein wurde im letzten September eine neue Kulturinstitution der Jakob und Emma Windler-Stiftung eröffnet. An welche Zielgruppen richten sich die Ausstellungen im historischen Gebäude?
Helga Sandl
Unser Ziel ist es, ein offenes Haus zu sein, das für jedes Alter etwas bietet. Deshalb sieht unser Ausstellungsprogramm historische Ausstellungen, aber auch wechselnde zeitgenössische nationale und internationale Kunstschaffende vor. Neben einer Konzert- und Vortragsreihe bieten wir ausserdem ein vielfältiges Angebot an Workshops für Kinder und Jugendliche.
GLAESER
Die Geschichte des Gebäudes in der malerischen Altstadt von Stein am Rhein geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Inwiefern ist dieser Umstand in den Räumlichkeiten zu spüren?
Carmen Gasser Derungs
Die Geschichte des Gebäudes ist sehr vielfältig, was sich an verschiedenen Elementen und Bauphasen noch heute erkennen lässt. Allein im Zunftsaal, in welchem die Dauerausstellung gezeigt wird, sind diverse Schichten und Geschichten ablesbar. In Zusammenarbeit mit Fachleuten und der Denkmalpflege galt es, einen Raum zu schaffen, der auf eine homogene, zurückhaltende Art die einstige Bedeutung dieses historischen Raumes erahnen lässt.
GLAESER
Auf welche Art und Weise beeinflusste die historische Bedeutung des Gebäudes die Gestaltung der Räumlichkeiten?
Helga Sandl
Gemeinsam mit der Denkmalpflege wurden zugunsten des Raumgefühls und der Atmosphäre Kompromisse gefunden, die einen umsichtigen Umgang mit dem Zunftsaal aus dem Jahr 1469 und der Zunftstube aus dem Jahr 1681 ermöglichen.
Carmen Gasser Derungs
Im ursprünglichen Zunfthaus wurde debattiert und gefeiert, nun wird Geschichte vermittelt. Die Ausstellung und die dazugehörigen Bauten sind durch ihre Materialisierung sehr präsent im Saal, die Wände sind jedoch freigespielt. Der Zunftsaal als Hauptobjekt und eigentlicher Vermittler der Geschichte ist weiterhin erfahrbar.
GLAESER
Welche Wirkung sollen die Räumlichkeiten in Kombination mit den kommenden Ausstellungen auf die Betrachtenden entfalten?
Carmen Gasser Derungs
Die Geschichte des Raumes und die Geschichten der Ausstellungen spiegeln sich in den neuen Elementen im Raum wider. Dadurch wird eine Mehrdimensionalität und Vielschichtigkeit der Vergangenheit suggeriert, die bei den Besucherinnen und Besuchern eine Faszination wecken und auch etwas irritieren soll.
Helga Sandl
Die Aura der historischen Räumlichkeiten ist erhalten geblieben. Mit den kommenden Ausstellungen ergibt sich eine Spannung, in welcher die Vitrinenlandschaft mit den darin ausgestellten Exponaten neue Geschichten in das Haus bringt. Wir schreiben so die Geschichte des Gebäudes weiter.
GLAESER
Die Vitrinen der Ausstellungen stammen von BÖHM. Welchen Beitrag leisten diese zum Ambiente im Kulturhaus Obere Stube?
Helga Sandl
Durch ihre Spiegeloptik bringen die Vitrinen eine Leichtigkeit und auch eine gewisse Verspieltheit in den grossen Zunftsaal und beeinflussen so das Gesamtbild des Raumes massgeblich.
Carmen Gasser Derungs
Die Vitrinen und Podeste heben sich vom Bestand ab und sprechen eine neue Sprache. Die Körper schweben über dem Boden und reflektieren den dunklen Saal. In den Spiegelungen treffen sich Besucherinnen und Besucher und der Raum – und mit ihnen auch die Geschichte und die Gegenwart.
GLAESER
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit BÖHM?
Carmen Gasser Derungs
Wir haben nach Partnern gesucht, die das Know-how haben, um hochwertige Objektträger und Vitrinen herzustellen und vor Ort sorgfältig zu installieren. Mit BÖHM haben wir einen Partner gefunden, der die hohen Anforderungen bezüglich Sicherheit, Klima und betrieblicher Aspekte erfüllen konnte. Die Erstellung der Ausstellung war für alle Parteien eine Herausforderung – technisch und zeitlich. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen.

Helga Sandl
Kulturleiterin, Jakob und Emma Windler-Stiftung, Stein am Rhein
"Durch ihre Spiegeloptik bringen die Vitrinen eine Leichtigkeit und auch eine gewisse Verspieltheit in den grossen Zunftsaal und beeinflussen so das Gesamtbild des Raumes massgeblich."





